3 Fragen an Peter Höllerbauer

01.03.2017

Peter Höllerbauer ist für das Innovationsmanagement der Managementservice Linz GmbH verantwortlich. Er berichtet über Herausforderungen im Innovationsmanagement, die herausragende Rolle der Innovationskultur und über Kundenbedürfnisse als Leitlinie des gesamten Entwicklungsprozesses.
 
Was sind für Sie die größten Herausforderungen im Innovationsmanagement?
Meiner Erfahrung nach ändern sich die Herausforderungen im Innovationsmanagement mit dem Reifegrad des Innovationssystems.
 
Die größte Herausforderung zu Beginn war es, ein gemeinsames und grundlegendes Innovationsverständnis aufzubauen. Wichtig war zu wissen: "Was bedeutet für uns Innovation", aber auch: "Was kann Innovationsmanagement leisten". Danach konzentrierten wir uns stark auf die strategische Ebene des Innovationsmanagements. Um dem Thema Innovation mehr Stellenwert einzuräumen, wurde ein Mindset etabliert, welches Innovationstätigkeiten und Tagesgeschäft nicht gegeneinander ausspielt, denn es darf kein Entweder-Oder sein. Momentan ist die größte Herausforderung die Gestaltung der operativen Innovationsprozesse. Wir wollen uns noch stärker an den geänderten Kunden- und Marktbedürfnissen ausrichten.
 
Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Hebel zur Steigerung der Innovationsleistung?
Neben den eher "technischen" bzw. methodischen Aspekten des Innovationsmanagements, die immens wichtig sind (z.B. Wie entsteht eine Innovationsstrategie? Wie sieht der Entwicklungsprozess aus und wer entscheidet?), bestimmt die Kultur im Unternehmen den Innovationserfolg wesentlich. Selbst mit der besten Innovationsstrategie und den effizientesten Prozessen wird die Innovationsleistung nur gering bleiben, wenn die handelnden Personen Veränderungen ablehnen, kooperatives Verhalten meiden oder wenn Führungskräfte eine negative Fehlerkultur vorleben.
 
Die Schwierigkeit ist nun: Wie kann ich diese Kultur beeinflussen? Kultur lässt sich nicht beauftragen, Kultur entsteht. Sie entsteht durch Vorleben, durch sichtbare Konventionen, durch Erfolge und Misserfolge. Die richtige Innovationskultur für ein Unternehmen sowie dessen Vision und Ziele zu formen, ist langwierig, hat aber die größten Auswirkungen auf die Innovationsleistung.
 
Welche Rolle spielen in Ihrer Organisation Kundenbedürfnisse bei der Entwicklung neuer Produkte? Wie stellen Sie sicher, dass die entwickelten Produkte optimal auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt sind?
Kundenbedürfnisse spielen eine sehr große Rolle! Wir arbeiten ständig daran, die Bedürfnisse unserer Kunden aktiv zu erfassen. Verschiedene Innovationsansätze wie ODI® (Jobs-do-be-done thinking), Service Design, aber auch schon das Formulieren von Anforderungen mittels User Stories helfen uns dabei.
 
Bei den neuen Innovationsprozessen achten wir besonders auf die Durchführung von Konzept- und Prototypentests. Mittels dieser Tests werden die dem Entwicklungsauftrag hinterlegten Kundenbedürfnisse frühzeitig und noch vor Beauftragung einer Umsetzung abgetestet. Wird das Bedürfnis nicht (signifikant) besser erfüllt als mit der bestehenden Lösung, wird das Projekt zurück in die Ideen- und Konzeptionsphase geschickt. Hier geht es uns auch um eine Sensibilisierung der Projektteams. Die Kundenbedürfnisse sollen nicht nur einmal am Beginn des Projekts erwähnt werden, sondern uns über die gesamte Entwicklung begleiten.