
Iga Swiatek beendet ihre Saison vorzeitig. Die sechsfache Grand-Slam-Siegerin sprach von einer der „herausforderndsten“ Spielzeiten ihrer Karriere.
Die Polin verpasst erstmals seit 2019 die WTA Finals zum Saisonende. Zuvor hatte sie am Dienstag wegen einer Oberschenkelverletzung ihre Teilnahme am Ningbo Open abgesagt.
Kurz darauf teilte die 25-Jährige mit, dass sie eine über weite Strecken ernüchternde Saison beendet. Sie will sich über einen längeren Zeitraum erholen und 2027 zurückkehren.
Die langjährige Weltranglistenerste beendet erstmals seit 2021 eine Saison ohne Grand-Slam-Titel. In der Weltrangliste fiel sie auf Rang neun zurück.
„Die vergangenen Monate, eigentlich sogar die vergangenen paar Jahre, waren unglaublich intensiv“, sagte Swiatek. Sie hat bei den Australian Open im Jänner die Chance, den Karriere-Grand-Slam zu vervollständigen. „Ich habe das Gefühl, dass ich mich ausruhen und meinen Körper vollständig erholen muss. Genau das werde ich tun – diesmal ein bisschen länger.“
Bilanz der Saison
Ihren letzten Grand-Slam-Triumph feierte Swiatek im Vorjahr in Wimbledon. In dieser Saison gewann sie einen WTA-Titel: Im August triumphierte sie beim Canadian Open. Ihre Bilanz für 2026 lautet 42 Siege und 16 Niederlagen.
Am Samstag verlor Swiatek im Halbfinale des Wuhan Open gegen ihre Landsfrau Maja Chwalinska. Es war erst ihre vierte Niederlage in 23 Matches. Swiatek ließ sich am Oberschenkel behandeln, spielte aber weiter.
„Ich bin besonders stolz auf die Arbeit, die wir in der zweiten Jahreshälfte geleistet haben, und auf die Fortschritte, die damit einhergingen“, sagte sie. „Das gibt mir viel Selbstvertrauen für das, was vor uns liegt.“
Analyse: Zeit für Körper und Kopf, sich zu erholen
Nach dem Rückzug aus Ningbo kam Swiateks Entscheidung, die Saison abzubrechen, nicht überraschend. Die automatische Qualifikation für die WTA Finals gehört für die Polin zu den Mindestzielen eines jeden Jahres. Weiterzuspielen ergibt daher wenig Sinn.
Selbst wenn die Verletzung rechtzeitig abgeklungen wäre, um noch ein Tour-Turnier in Tokio zu spielen oder als Ersatzspielerin zum Saisonfinale nach Indian Wells zu reisen, hätte Swiatek die mentale Pause nicht bekommen. Diese braucht sie offenbar schon lange.
Es war erneut eine Saison voller Veränderungen und Frustration. Im März trennte sich Swiatek vom belgischen Trainer Wim Fissette. Bald darauf verpflichtete sie den Spanier Francisco Roig, der früher Rafael Nadal und Emma Raducanu betreute. Sie wollte wieder „ein Fels auf dem Platz“ werden.
Der Gewinn des WTA-1000-Turniers in Toronto war der klare Höhepunkt des Jahres. Beim Sieg über Elena Rybakina, mittlerweile die Nummer eins der Welt, entlud sich ungewöhnlich viel aufgestaute Emotion. Das zeigte, was der Titel ihr bedeutete, und sah nach einer Wende aus.
Der Stress und die Anspannung auf dem Platz, über die Swiatek offen gesprochen hat, sind jedoch nicht verschwunden. Sie führen zu unkontrollierten Eigenfehlern. Oft übermannten sie die Gefühle während der Matches, zuletzt wischte sie sich bei der Niederlage gegen ihre Jugendfreundin Chwalinska Tränen aus dem Gesicht.
Das lag teilweise an der Verletzung. Swiateks erfrischend ehrliche Antwort danach, sie könne „einen längeren Urlaub machen“, weil sie die WTA Finals verpasst, zeigte aber deutlicher, was sie braucht, bevor sie sich auf 2027 vorbereitet.